DU BIST AM ZUG ist von Tim Schnetgöke und Katya Assaf initiiert und wird in Kooperation mit URBAN NATION durchgeführt. Tim Schnetgöke ist Diplomfotograf (Fachhochschule Bielefeld). Er lebt in Berlin und beschäftigt sich seit Jahren mit nicht beauftragter Kunst im öffentlichen Raum. Er dokumentiert regelmäßig visuelle Interventionen im urbanen Raum – ein Teil dieser Dokumentation ist hier zu sehen. Eine Auswahl seiner Werke wird demnächst in einem Buch erscheinen. Tim Schnetgökes Arbeiten zeigen, dass Menschen, die kein offizielles Recht auf die Gestaltung des öffentlichen Raums haben, trotzdem daran teilnehmen und oft mit beträchtlichem Aufwand und erheblichen Risiken beeindruckende Werke schaffen, ohne einen finanziellen Gewinn damit zu erzielen.

Graffiti ist in vielerlei Hinsicht der Werbung ähnlich – beide erheben Anspruch auf unser visuelles Umfeld und kämpfen um unsere Aufmerksamkeit.

Unser gemeinsamer städtischer Raum wird durch diese beiden Arten von Beiträgen wesentlich geprägt. Dadurch sind hauptsächlich zwei relativ kleine Gruppen – die Werbenden und die Graffitimaler*innen – präsent. Die meisten Stadtbewohner*innen bleiben unsichtbar und sind von der aktiven Stadtgestaltung weitgehend ausgeschlossen. Durch die Beobachtung und Dokumentation von urbanen Landschaften gelangte Tim Schnetgöke zur Überzeugung, dass unser gemeinsamer öffentlicher Raum mehrstimmiger sein könnte. Das vorliegende Projekt ist Teil seiner Vision von einer Stadt, deren Einwohner*innen an ihrer Gestaltung aktiv mitwirken.

Dr. Katya Assaf-Zakharov ist Rechtswissenschaftlerin, sie studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem und promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München als Stipendiatin des Max-Planck-Instituts für Wettbewerb und Innovation. Heute hat sie einen Lehrstuhl an der Hebräischen Universität. Sie ist auf deutsches Recht spezialisiert und lebt und arbeitet in Berlin und Jerusalem. Im akademischen Jahr 2020/21 ist sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. In ihrer Forschung kritisiert Katya Assaf-Zakharov vielfach die Dominanz der Konsumkultur in westlichen Gesellschaften. Sie hat verschiedene Wege vorgeschlagen, wie diese Dominanz durch die Veränderung gesetzlicher Regelungen geschwächt werden kann um andere soziale Werte – wie Solidarität, Inklusion und Zusammenhalt – in den Vordergrund zu rücken. In den letzten Jahren beschäftigt sie sich mit der Frage, wie der urbane Raum gestaltet wird, welche Narrative dabei zu Wort kommen und welche unterdrückt werden.

Zusammen entwickeln Katya Assaf-Zakharov und Tim Schnetgöke das Konzept vom Recht der Bürger*innen, an der Gestaltung ihrer Stadt unmittelbar teilzunehmen:

Falling Walls 2020: Breaking the Wall of Official Urban Landscape (video)

Podcast on Graffiti and Law

Ich bin dafür, dass… Graffiti legalisiert wird, Kulturaustauschmagazin, 2021

Reading the Illegible: Can Law Understand Graffiti? Connecticut Law Review, 2020